Britta – Eine Brocki-Kundin erzählt
Kunst, Körper und die Poesie von Secondhand-Materialien
Britta arbeitet als Requisiteurin am Schauspielhaus Zürich und ist freischaffende Multimediakünstlerin und Performerin. Seit 2013 erforscht sie in ihrer Praxis die Schnittstelle von Performance, Installation und Fashion. Im Zentrum steht der menschliche Körper in Beziehung zum Raum – sinnlich, visuell und transformativ. Als Gründerin von FLUID BODIES entwickelt sie prozessorientierte Performances und Kostüme aus upgecycelter Secondhand-Kleidung und schafft poetische Bildwelten zwischen Erinnerung und futuristischer Utopie.
Wenn Britta Liv Bruce Mueller die Heilsarmee brocki.ch in Zürich betritt, wirkt es, als würde sie in ein offenes Atelier eintauchen. Die Requisiteurin am Schauspielhaus Zürich und freischaffende Multimediakünstlerin bewegt sich mit derselben Neugier durch die Abteilungen wie durch ihre künstlerischen Prozesse: offen, sinnlich, experimentierfreudig. Seit 2013 erforscht sie die Schnittstellen von Performance, Installation und Fashion – immer mit dem menschlichen Körper im Zentrum und immer mit Materialien, die bereits eine Geschichte tragen.
Wir treffen uns im Untergeschoss der Filiale Zürich, auf einem ausgestellten roten Ledersofa. Ich habe Gipfeli dabei, Britta holt zwei Teller aus der Geschirrabteilung. Ein kleines Detail, das viel über sie verrät: aufmerksam, praktisch, zugewandt – und immer bereit, Dinge neu zu denken.
Vom Schulzimmer zur Bühne
Britta ist im Raum Zürich aufgewachsen und ursprünglich Primarlehrerin im Integrationsbereich. Nach ihrer pädagogischen Ausbildung besuchte sie die Schule für Gestaltung F+F in Zürich, wo sie ihre künstlerische Praxis vertiefte. Während einer Weiterbildung absolvierte sie ein Praktikum im Schauspielhaus Zürich – eine Entscheidung, die sich als wegweisend herausstellen sollte.
Eines Tages rief sie der Chef der Requisite an und fragte sie für einen Job als Aushilfe an. Britta nahm an und fand sich plötzlich mitten in einer Welt wieder, in der Gesten, Objekte und Inszenierungen ihr neues Arbeitsmaterial wurden. Letzten Sommer hat sie mit der Ausbildung zur geprüften Requisiteurin am Schauspielhaus Zürich gestartet. Als Performerin und Gründerin der Gruppe FLUID BODIES entwickelt sie – wenn immer es die Zeit zulässt – weiterhin prozessorientierte Performanceformate und näht Kostüme aus Secondhandmaterialien.
Ihre drei erwachsenen Kinder sind ebenfalls kreativ unterwegs: Schmuckdesign, Musik, Produktion – ein Familienuniversum voller Ideen.
Wie die Brocki zu einem Inspirationsort wurde
Britta liebte schon als Jugendliche Flohmärkte. Später entdeckte sie die brocki.ch Zürich – klein, nah, voller Überraschungen. «Dieses bunte Durcheinander macht es spannend», sagt sie. «Man weiss nie, was man findet – aber man findet immer etwas, das inspiriert.»

Eines ihrer Brocki-Funde, der in ihre künstlerische Arbeit einfloss, war ein Motorradhelm. Ein Objekt, dass sie faszinierte und das später ein ganzes Projekt inspirierte.
Upcycling als künstlerische Haltung
Britta arbeitet mit Secondhandkleidung, kleinen Gadgets, Schmuck, Geschirr – und besonders gern mit Stücken aus der Männerabteilung. Oversized, robust, wandelbar. Aus Anzugshosen und Jacken hat sie bereits neue Kleidungsstücke zusammengenäht, Jeansstoffe kombiniert und Materialien so eingesetzt, dass sie neue Bedeutungen bekommen. Ein Beispiel dafür ist eine klassische Anzugshose, die sie vollständig umgestaltet und in eine Jacke verwandelt hat – ein Kleidungsstück, dass durch die Transformation eine neue Silhouette und eine neue Geschichte erhielt.

Ihr Prozess ist eine Mischung aus Konzept und Intuition. Sie trägt bestimmte Attribute im Kopf – Farben, Formen, Materialien, Stimmungen – und bewegt sich damit durch die Brocki. Gleichzeitig bleibt sie offen für das Unerwartete. Die Motorradhelme etwa sah sie nicht für ein aktuelles Projekt, sondern als mögliche Inspiration für ein zukünftiges – ein Beispiel dafür, wie bewusstes Suchen und spontanes Entdecken sich in ihrer Arbeit ergänzen.
«Es ist wie in einer Lebensphase, in der man plötzlich überall dasselbe sieht», sagt sie. «Wenn man schwanger ist, sieht man nur noch schwangere Frauen. So gehe ich durch die Brocki: Ich sehe genau das, was ich gerade brauche.»
Diese innere Suchbewegung führt sie sowohl zu Inspirationen für aktuelle Projekte als auch zu Fundstücken, die erst viel später ihre Wirkung entfalten. Manche Objekte werden sofort verarbeitet, andere warten im Atelier, bis sie im richtigen Moment ein neues Projekt anstossen.
Secondhandstücke verändern ihren kreativen Prozess. Sie bringen Geschichte mit, Spuren, Energie. «Das ist viel wertvoller als Neues», sagt sie. «Man fragt sich: Woher kommt das? Wer hat es getragen? Was hat es erlebt? Das ist ein grosser Schatz.»
Was sie an der brocki.ch Zürich besonders schätzt
Britta schätzt die Filiale Zürich sehr – nicht zuletzt, weil sie ganz in der Nähe ihres Zuhauses liegt und damit zu einem Ort geworden ist, den sie regelmässig besucht. Für sie verbindet die Filiale alles, was eine inspirierende Secondhand‑Adresse ausmacht: Sie ist übersichtlich, sauber, liebevoll eingerichtet und die Waren sind sorgfältig inszeniert. Diese Atmosphäre lädt zum Entdecken ein und macht jeden Besuch zu einem kleinen Erlebnis. Beim Stöbern, Spenden oder im kurzen Austausch mit den Mitarbeitenden entstehen immer wieder Momente, die sie berühren – und die zeigen, warum die Brocki Zürich für viele Kunstschaffende und Upcycling‑Fans ein besonderer Ort ist.

Ein Rat an andere Kunstschaffende
«Einfach anfangen», sagt Britta. «Nicht zu viel überlegen. Loslegen, ausprobieren, sich inspirieren lassen.» Upcycling sei heute sichtbarer denn je – aber für sie bleibt es vor allem eines: ein spielerischer, nachhaltiger Zugang zur Kunst. Gerade als Kunstschaffende wisse man, wie knapp Budgets oft sind. In der Brocki könne man mit wenig Geld Materialien finden, die trotzdem eine enorme Wirkung entfalten – Fundstücke, die neue Ideen anstossen und kreative Prozesse ermöglichen, ohne grosse finanzielle Mittel.
«Die Brocki ist dafür der perfekte Ort“, sagt sie. „Man findet dort nicht nur Materialien – man findet Geschichten.»
Zum Schluss möchten wir uns herzlich bei Britta für ihre Zeit und Begeisterung für Secondhand bedanken.